Die wilde Welt der Pflanzennamen
Bericht von Jürg Gohl / Simone Tacheron
Mit dem Vortrag des Ökologen und Botanikers Andres Klein am 11. November hat unter dem Titel «Dittiblache und Hemmliglunggi» die aktuelle Winterserie der monatlichen Jakobshoftreffs ihren Anfang genommen. Rund 45 Zuhörer und vor allem Zuhörerinnen leisteten der Einladung unseres Vereins Folge. Sie waren 60 Minuten vom Biologen aus Gelterkinden bestens unterhalten worden, ehe bei Kaffee und Nussgipfel der Nachmittag ausklang.
Andres Klein ging es bei seinen Ausführungen nicht nur darum, zu erklären, wie die über 600 von ihm gesammelten mundartlichen Bezeichnungen für die 173 wild wachsenden Pflanzen in der Region entstanden sein dürften und wo sie überall bei uns verwendet werden. Als Sammler erhofft er sich immer auch auf neue Bezeichnungen zu stossen. Aus diesem Grund ergänzte er den Titel seines Referats, den er von seinem weit über 200 Seiten umfassenden, gleichnamigen Buch übernommen hatte, auch mit dem Zusatz «und wie säisch du?».
Viele Pflanzennamen aus dem Volksmund lassen sich aus Quellen wie dem Schweizerischen Idiotikon, diesem immensen Mundart-Wörterbuch, aus früheren Publikationen zu diesem Thema oder auch aus örtlichen Heimatkunden ableiten. Oft aber müssen die Namensammler auch spekulieren. Gerade das Baselbiet verfüge über eine Vielfalt an Namen, die sogar das Bernbiet übertrifft, und zahlreiche Kuriositäten bereithält.
Zum Beispiel: In Reigoldswil nennt man den Löwenzahn (oder eben «Dittiblache») «Sau-Guudere». Landesweit taucht der gleiche Name nur noch ein einziges Mal in Gersau auf – niemand kann sich das erklären. Auch gibt es die «Ramsle», die wohl zum Flurnamen Bad Ramsach geführt hat und meistenorts für den Bärlauch steht, in Reigoldswil und Ziefen aber für Schneeglöckchen verwendet wird.
In seiner eigenen Wohngemeinde habe, so berichtet Andres Klein, sogar der Buchtitel ein Wortgefecht ausgelöst, weil der eine Gelterkinder auf «Hemmliglunggi», der andere auf «Hemmliglünggi» als richtige Variante beharrte. Offiziell heisst diese Blume Busch-Windröschen, wird aber wegen ihrer harntreibenden Wirkung auch «Bettsäicherli», aufgrund ihres Gifts «Litzerli» oder wegen ihrer Blütezeit «Ooschterblüemli» genannt. «Dabei», schliesst er das mit Anekdoten und Merkwürdigkeiten gespickte Referat, «gibt es gar kein richtig und kein falsch.»





