«Das Okapi hat Husten»
Unter diesem Titel erzählte Dr. Christian Wenker, Tierarzt im Zolli Basel, Geschichten aus dem Alltag
Bericht zum Jakobshoftreff vom 10. Februar 2026 von Charlotte Hegnauer
14 Hektaren gross ist der Zoo Basel und entsprechend zahlreich und verschieden sind seine Bewohner. 602 Tierarten und mehr als 10'000 Tiere, darunter viele kleine, sind eine Herausforderung. Er habe ca. 7'000 «Patienten» und kenne fast alle mit Namen, beginnt Dr. Wenker seinen Diavortrag über den Alltag eines Zoo-Tierarztes. Nach dem Motto «Vorbeugen ist besser als Heilen!» sieht er als Hauptaufgabe und Ziel seiner Arbeit, die Gesundheit der Tiere zu erhalten. Das beinhaltet u.a. gute und artgerechte Haltung und Pflege, richtige Ernährung, Parasitenkontrolle, Impfungen, Gesundheitsprogramme, Schädlingsbekämpfung und natürlich auch Krankheiten und Verletzungen erkennen und die notwendigen Schritte einleiten.
Immer wieder für eine Überraschung sorgt die Elefantendame Rosy, das «Luusmeitli» des Zoos, mit ihrer Vorliebe für Schabernack. 120 Einträge hat sie in ihrer Krankenakte! Mal frisst sie einen Besen, der liegen geblieben ist, mal inhaliert sie mit ihrem Rüssel einen grossen Stein, der dort stecken bleibt und operativ entfernt werden muss, und vieles mehr.
Krankheiten zu erkennen ist schwierig, da Wildtiere diese so lange wie möglich verstecken, um keine Schwäche zu zeigen. Oft erkennt man sie an Verhaltensänderungen, Nahrungsverweigerung oder Gewichtsverlust. So musste ein junger Seelöwe, der stark abmagerte und die Fische verweigerte, zwangsernährt werden. Medikamente müssen manchmal mit List verabreicht werden, versteckt in Leckerbissen, auf die Haut aufgetragen oder mit dem Blasrohr injiziert.
Oft geht es bei Behandlungen nicht ohne Narkose, was bei Wildtieren immer ein Risiko ist. Da gibt es den Löwen mit abgebrochenem Zahn, der eine Infektion ausgelöst hat, oder das hinkende Zebra mit einer Beinverletzung. Der Elefant, dem der Stosszahn entfernt werden muss, benötigt 60 Liter Infusion. Bei Tieren mit ausgeprägten Sozialverhalten wie Erdmännchen muss eventuell die ganze Gruppe behandelt werden, da es oft unmöglich ist, ein einzelnes Tier zu «erwischen».
Und wie wiegt man Wilhelm, das Flusspferd? Eine Narkose wäre zu gefährlich. Ganz einfach: mit Wasserverdrängung. Wilhelm verdrängt im Wasserbecken 2'100 Liter Wasser, also bringt er rund 2'100 kg auf die Waage.
Das Publikum lauschte gebannt den interessanten und spannenden Geschichten und Anekdoten und kam in den Genuss vieler eindrücklicher Fotos. Es bedankte sich bei Dr. Wenker mit einem herzlichen Applaus.
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