Sterbe- und Abschiedsrituale bei Zootieren

Bericht von Charlotte Hegnauer

Zootierarzt Dr. Christian Wenker berichtet über den Tod von Tieren und wie der Zolli damit umgeht

Die schöne Abendstimmung bei Sonnenuntergang, die sich den 25 Teilnehmerinnen an diesem 14. Januar im Zolli bot, passte sehr gut zu dieser Führung. Gleich nach der Begrüssung durch Christian Wenker fand sich die Gruppe schon mitten im Thema: «Heute Morgen ist Felix, der betagte Rappenantilopenbock, gestorben.» Auf die Frage, ob die Antilopenherde auch gewisse Abschiedsrituale hat, erfuhren wir, dass solche Rituale vor allem bei Tieren beobachtet werden, die in engeren sozialen Strukturen leben, wie z.B. Primaten, Elefanten, Wale. Bei Antilopen, die Beute- und Fluchttiere sind, kommt das hingegen kaum vor. Und was wohl die meisten nicht wussten: jedes Zootier hat einen Namen!

Auf Wunsch einer Teilnehmerin, gab es zu Beginn einen kurzen Abstecher zu den Pinguinen und dann ging es weiter zum Affenhaus. Wir erfuhren Interessantes über die unterschiedlichen Lebensweisen der verschiedenen Menschenaffen. Die Gorillas, die in einer klar definierten sozialen Gruppe leben und von einem Silberrücken dominiert werden, trauern um Artgenossen. So werden verstorbene Babys manchmal mehrere Wochen von ihren Müttern herumgetragen, was im Zoo auch zugelassen wird. Die Orang-Utans, vorwiegend Baumbewohner und eher Einzelgänger, sind die Bastler und Tüftler, die sich ihre Schlafnester hoch in den Bäumen bauen. Im Zoo haben die Orang-Utans eine Schlafwanne oben im Geäst selbst aufgehängt. Schimpansen hingegen sind sehr extravertiert, schlau und kommunikativ. Nachdem Dr. Wenker als neuer Zootierarzt einen Schimpansen mit dem Blasröhrchen sedieren musste, stoben die Schimpansen danach jedes Mail auseinander, kaum dass sie ihn erblickten, und verschwanden in ihren Verstecken.  Mit «Leckerlis» und Belohnungen mussten sie langsam desensibilisiert werden. Inzwischen wird Herr Wenker von Schimpansin Benga herzlich begrüsst.
Eine berührende Geschichte ist die des Saki-Affens Patrick, der schon älter und krank war. Er sollte eingeschläfert werden. Als der Zootierarzt mit dem Blasrohr auftauchte, versammelte sich die ganze Gruppe um Patrick und deckte und beschützte ihn. Es war unmöglich, ihn zu sedieren. Er hat sich wieder erholt und lebte noch gute zwei Jahre weiter.

Einen letzten Halt machten wir im Elefantenhaus, wo uns Rosy, das «Luusmaitli» der Familie, begrüsste. Sie ist die Einzige, die Werkzeug benutzt. So wirft sie im Aussengehege Äste hoch in die Bäume, um frisches Laub herunterzuholen - offenbar ein besonderer Leckerbissen. Wenn Tiere, vor allem aus Gruppen und Familien eingeschläfert werden müssen, werden sie nach ihrem Tod oft wieder zur Gruppe zurückgebracht, damit die anderen Abschied nehmen können. Das gehört zur Trauerarbeit. Als letztes Jahr die sehr kranke Leitkuh Heri eingeschläfert werden musste, war es sehr berührend zu sehen, wie anderen Elefanten zum toten Tier kamen und es mit dem Rüssel berührten.

Jedes Tier, vom Elefanten bis zum kleinsten Vögelchen, wird nach dem Tod in der Pathologie seziert. Dies vor allem aus wissenschaftlichen Gründen. Anschliessend wird es in die Kadaververwertung gebracht, ausser wenn eine Infektion vorliegt.

Es war eine lehrreiche und teilweise berührende Führung und schön zu sehen, dass die Tiere mit Respekt und Empathie behandelt werden.



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